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Vorwort von Sonntagsbrief

Liebe Schwestern und Brüder in unserer Pfarrei!

„Ans Kreuz mit ihm!" – So skandieren lautstark zahlreiche Leute, die Jesus auf seinem letzten Leidensweg sehen. Davon erzählen alle vier Evangelien. „Ans Kreuz mit ihm!" – Ich frage mich: Die so geschrien haben, haben sie wirklich gewollt, dass Jesus gekreuzigt wird? Dieser Jesus, der so vielen Menschen nur Gutes gesagt und getan hat? Jedenfalls waren die Leute völlig verunsichert und aufgewiegelt von der religiösen und politischen Elite. Diesen hat Jesus und seine Botschaft von einem bedingungslos liebenden Gott nicht ins Konzept gepasst.

Wenn vom Kreuz gesprochen wird, macht das oft sprachlos. Handelte es sich bei der Kreuzigung doch um eine besonders grausame Art, Menschen hinzurichten. Und: Gekreuzigt werden, das bedeutet nach damaliger Vorstellung, nicht nur von den Menschen verlassen, sondern – weit schlimmer – auch von Gott verworfen und endgültig verstoßen zu sein. Das bedeutet auch, jeden Bezug zu Gott verloren zu haben. Gründlicher kann man einen Menschen nicht aus dem Gedächtnis seiner Zeit tilgen wollen. Deshalb hat es bei den ersten Generationen der Christen auch keine Kreuzesdarstellungen gegeben.

Dass Jesus so unehrenhaft sterben musste, das forderte die ersten Christen in ihrem Glauben stark heraus. Das erlebten die Jünger ganz am Anfang so. Und das gilt auch für uns bis auf den heutigen Tag. Bei dem Theologen Dietrich Bonhoeffer (gestorben am 9. April 1945 im Konzentrationslager Flossenbürg) habe ich eine für mich schlüssige Deutung gefunden: „Gott ist ohnmächtig und schwach in der Welt, und gerade und nur so ist er bei uns und hilft uns." –

So einen Gott kann man nicht erfinden. Für mich bedeutet das: Der Arme liebt nicht den, der ihm seine Armut erklärt, sondern den, der ihm auch in der Armut nahe bleibt. Der Leidgeprüfte liebt nicht den, der über sein Leiden philosophiert, sondern den, der sein Leiden mit ihm trägt. Wer glücklich ist, der liebt nicht den, der ihm sein Glück neidet, aber den, der sich mitfreut.

Genau das hat Jesus getan: Er war den Menschen in Freud und Leid ganz nahe. Und wie reagiert Gott auf all das, was mit Jesus passiert ist – der Gott, dem sich Jesus so sehr verbunden wusste? – Unser christlicher Glaube ist davon überzeugt: Gott bricht sein Schweigen. Allerdings nicht mit einem Wort, sondern mit einer Tat, mit etwas radikal Neuem – seine Antwort lautet: Auferstehung! Gott holt Jesus endgültig in sein eigenes Leben und lässt ihn auferstehen für die, die ihm glauben und ihm im Leben folgen. Wie Gott zu uns steht, das ist für mich in Jesus und seinem Weg durch Leiden und Tod glaubhaft vorgezeichnet. In einem Osterlied der ausgehenden Barockzeit, das in unserem neuen Gesangbuch zu finden ist, fasst der Dichter das in diese Worte: „Jesus lebt, mit ihm auch ich! Tod, wo sind nun deine Schrecken? Er, er lebt und wird auch mich von den Toten auferwecken. Er verklärt mich in sein Licht; dies ist meine Zuversicht.“ (Gotteslob Nr. 336)

Ich wünsche Ihnen – auch im Namen unseres Leitenden Pfarrers Friedrich Barkey, unserer Gemeindereferentin Sabine Banaschewitz, unseres Gemeindereferenten Dieter Fender, unseres Diakons Norbert Pieofke und unseres Pastors Andreas Jung – eine gesegnete Karwoche und ein im Glauben ermutigendes Osterfest!

Ihr Christian Gröne, Pastor